BAROCK
(ca. 1600 bis 1710)

Die unruhige Zeit des Dreißigjährigen Krieges bringt auch einen Wandel in der Mode mit sich, die nun weniger vom Adel, sondern zunehmend von der Kriegsmode der Soldaten beeinflußt wird.
Die Landsknechte hatten schon im 16. Jahrhundert begonnen, ihre engen Wämse und Hosen zu schlitzen, sie zu zerhauen, um mehr Bewegungsfreiheit zu gewinnen. Grellere Farben sowie stark gebauschte Pluderhosen und Ärmel brachten sie nun auch in die Kleidung der Höhergestellten.
Man(n) trägt das Haar zu Beginn des Jahrhunderts nun schulterlang, modern wird ein mit Federn geschmückter Schlapphut sowie lange, umgeschlagene Stulpenstiefel verziert mit Spitzen.

In der Frauenmode ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas noch die strenge, hochgeschlossene und steife Mode vorherrschend, welche auch vom Spanischen Hof diktiert wird.
Spitzen- und die sogenannten Mühlsteinkragen wirken geradezu unnahbar.

Das prunktvolle Zeitalter des Sonnenkönigs Louis XIV beginnt und Mode sowie Sitten des französischen Hofes werden tonangebend, auch im Ausland.
Modebewußte Herren tragen die Rhingrave (Rheingrafenhose), eine knie- bis wadenlange Hose, welche der Weite nach jedoch eher wie ein Rock anmutet. Hierzu wird - wie zum optischen Ausgleich - eine sehr kurze Weste getragen. Zahlreiche und meist kontrastfarbene Bandschluppen zieren die Kleidung.

Zur Mitte des Jahrhunderts hin wird der Reifrock durch ein Hüftpolster und mehrere Unterröcke abgelöst, und auch das Dekolleté wird nun wieder entdeckt.
Das Mieder ist noch immer recht steif und lang, doch lockern die gebauschten Ärmel, der zumeist schulterfreie Ausschnitt und der weite faltenreiche Rock dies optisch auf.

In der Herrenmode setzt sich nun im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, wiederum durch die Soldatenuniform inspiriert, der Justaucorps durch, darunter wird eine schoßlose Weste namens Gilet getragen.
Die üppig gelockte Allongeperücke kommt nicht zuletzt durch Louis XIV. in Mode, darunter trägt der Herr meist sehr kurzes Haar oder gar eine Glatze.
Der im 18. Jahrhundert allseits bekannte Dreispitz kommt etwa um 1700 in Mode, ein breitkrempiger Hut, dessen Rand einfach an drei Seiten hochgeklappt wird.

Zum Ende des Jahrhunderts werden nun gleich zwei Röcke getragen, der obere, Manteau genannt, wird vorn und an beiden Seiten hochgerafft und zeigt den nicht weniger kostbaren Unterrock, die Jupe.
Die Fontange kommt in Mode, ein oftmals mit viel kostbarer Spitze und Schleifen verzierter Kopfputz, welcher seine hohe Form durch ein Drahtgestell erhielt. Inspiriert wurde die Fontange angeblich durch Madame de Montespan, Mätresse Louis XIV., welche ihr bei einem Ausritt versehentlich gelöstes Haar rasch mit Bändern auf dem Kopf hochband. Der König soll derart entzückt gewesen sein, dass diese Frisur bei Hofe sehr bald in Mode kam.

____________________________________________________________________________

REPRODUKTIONEN
AUS  MEINEM  ATELIER:
____________________________________________________________________________

__________________________
      
DAMENROBE
UM
1660
__________________________

Herr und Dame beim Wein
Jan Vermeer van Delft, ca. 1658

Diese prachtvolle Robe wurde nach Originalschnitten dieser Zeit gefertigt, erhaltene Originalkleidung und Gemälde von Jan Vermeer van Delft, Gerard Ter Borch und Abraham van den Tempel dienten hier als Vorbild.

Diese kostbare Robe wurde aus schwerem Seidensatin in Zinnoberrot gefertigt und besteht aus einem versteiften langen Oberteil mit gepufften 3/4-Ärmeln, verziert mit goldener Metallspitze.
Separater, sehr weiter Rock, um die Taille aufwendig in Falten gelegt.
Darunter werden idealerweise eine Chemise mit weiten Ärmeln aus weißem Leinen, eine Schnürbrust, eine Hüftrolle (“Weiberspeck”) und mehrere Unterröcke getragen.

Hüftrolle / -polster, “Weiberspeck”

Unterrock, Jupe

Diese Robe diente als Vorbild für den historischen Roman “Die Comtesse” von Amalia Kardonas und wurde sowohl auf dem Titelumschlag als auch im Plot selbst verewigt!

NEU

Die Robe in einer ähnlichen Ausführung aus cremeweißer Seide.

________________________________

__________________________
      
HERR  UM  1680
__________________________

Spätbarocke Herrenrobe um 1680, gefertigt nach Originalschnitten erhaltener Originalkleidung und zeitgenössischen Abbildungen.

Dieser frühe Justaucorps wurde aus feiner, roter Schurwolle gefertigt, das anthrazitfarbene Innenfutter ist farblich auf die Kniehosen abgestimmt.
Die Culottes werden mit Zinnknöpfen und roten Satinbändern geschlossen.

(Auf Wunsch des Kunden wurde der Rock etwas kürzer und ohne Taschen gefertigt.)

Silberknopf im Detail

Das Hemd wurde aus weißem Leinenbatist gefertigt

Spätbarocke Herrenrobe um 1690, gefertigt nach Originalschnitten, erhaltener Originalkleidung und zeitgenössischen Abbildungen.

Für diesen frühen Justaucorps mit dem bereits typischen figurnahen Schnitt haben wir einen Seidendamast in Rottönen verwendet.
Das Innenfutter besteht aus reinem Leinen in Dunkelblau.
Vorn und an den seitlichen Taschen befinden sich zahlreiche silberne Metallknöpfe, nach historischem Vorbild teils mit blinden (unechten) Knopflöchern.
Dazu wird eine Kniehose aus silbergrauem Seidensatin getragen.

__________________________
      
HERR  UM  1690
__________________________

Louis XIV.
1687

  
Weitere Inspiration und viele Informationen zur Mode vergangener Epochen:
La Couturière Parisienne Costume and Fashion Site

Für das passende Schuhwerk empfehle ich:
Sarah Juniper